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Das Kirchspiel Thränitz
mit Grobsdorf, Collis, Zschippern und dem Filial Kaimberg

von Bruno Geweniger, Gera 1930

Inhaltsverzeichnis
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Brief von Bruno Geweniger an den Stadtarchivar Kretschmer in Gera zur Geschichte von Kauern

Collis, Juni 1939

Sehr geehrter Herr Kollege!
Ihre Arbeit über alte Wüstungen und Dorfstätten im Kreis Gera habe ich mit großem Interesse und nicht minder großer Freude gelesen.
War mir auch schon vieles aus Ihren früheren Veröffentlichungen bekannt, so ist mir doch auch manches neu darin.
Da Sie in Ihrer Auswertung die Lokalforscher vor die Front rufen, so erlaube ich mir, einen kleinen Beitrag zu Ihrer Arbeit zu liefern. Ich habe nämlich in den letzten Jahren auch Kauern bearbeitet, bin aber nicht zum Abschluß gekommen, da ich inzwischen von Dr. Schubarth mit der Bearbeitung alteingesessener Bauerngeschlechter (Richter-Collis, Sonntag-Grobsdorf, Falke-Lusan konnte ich erledigen) betraut wurde und neuerdings durch Krankheit-Herzanfälle durch Verkalkung an Weiterarbeit gehindert wurde.
So konnte ich schon seit Jahresfrist an den Sitzungen und Ausflügen des Museumsvereins leider nicht mehr teilnehmen.
Im Lehrerv. für Nat- und Heimatkunde [...] ich noch im Vorjahr auf Wunsch des Vorsitzenden in Kauern über dieses Dorf, leider nur in Winkelstündchen da die Darbietungen über die floristischen Funde die meiste Zeit in Anspruch nehmen.
So konnte ich auch wenig nur berichten über das Vorwerk Queissen. Was in der Zeitschrift "Thüringen" 6. Jahrg. 5. Heft und von Löber pag.25 über dasselbe gesagt ist: "Die neueren Verhältnisse dasselben und die Zeit, wann solches zu bestehen aufgehört, sind gänzlich unbekannt [...] trifft nicht zu. Sie hätten einschalten müssen:"dem Verfasser" unbekannt.
Im Rittergutsdorf in Kauern mit mit seinen vielen alten Lehensbriefen (den ältesten von 1465 konnte ich nebst der alten Kauerschen Flurkarte vorzeigen) ist das Vorwerk Queissen sehr oft und mit genauen Angaben erwähnt.
Zunächst ist der Name nicht Quais, sondern Queissen, der Name variiert auch in den vielen Urkunden auch nicht ein einziges mal. Wie Wagner und Löber zu diesem falschen Namen gekommen sind, ist mir nicht erklärlich. Auffälligerweise erinnert des Namens Klang an das unmittelbar angrenzende Gessen, welches noch im 15. Jahrh. Geussen, noch früher Güssen geschrieben wurde.(.. Girsan?) Queißen könnte im Volksmunde früher oft Queßen gelautet haben (Dreynitz, Kaymberg, Hain) Dieses Vorwerk ist jedenfalls sehr alt.Nun ein W.. über den Begriff "Vorwerk."
1. Weigand versteht darunter ein vom Hauptgut abhängiges kleines Gut, "abgesonderten Meierhof." Solche Vorwerke, entfernt, getrennt vom Hauptgut, wurden wohl von einem Pächter bewirtschaftet.(Köstritz-Dörrenberg. Queissen war kein solches Vorwerk.
2. In unserer näheren Umgegend wurden die Gutsgebäude: Ställe, Scheunen,Schuppen damit bezeichnet im Gegensatz zum Herrenhaus, auch Sitz, in Pforten mit Edelmannsbehausung genannt. Die alten Lehnsbriefe sagen: Sitz, Vorwerk u. Dorf (d.i. mit seinen Gütern und Häusern) Queissen gehörte auch nicht zu dieser Kategorie.
3. Unter Vorwerk verstand man bei uns oft ein vom Gut entferntes einfaches, meist nur aus Holz hergestelltes Bauwerk, ähnlich unseren Feldscheunen.So in Zschippern, wo ein Vorwerk von Pforten stand. Die Zeugen im Frohnprozeß bekunden 1550, daß .. nur eine Scheune daselbst gestanden.Auf der Lasur (Krimel) stand in alter Zeit 1550, 1580 auch ein Vorwerk der gänzliche Wassermangel läßt es als ausgeschlossen erscheinen, daß ein Vorwerk von Kategorie 1 oder 2 sich daselbst befunden hat. Es war ein Vorwerk Kategorie 3, ... Unterkunftshütte für Arbeiter ... Geräteschuppen.
(Nebenbei: A. Auerbach fiel bei einer Lokalbesichtgung mit mir daselbst befindliche Grun.....für Bingen, vgl. auch Hundt im letzten Heimatblatt. Ich halte Bergbau auf Kupfer auf der Lasur nicht für gegeben in alter Zeit bei der so dünnen Zechsteinschicht. Man hat dort Kalk gebrochen, wie auch der von Ende auf Pforten 1703 [1705?] einen Kalksteinbruch auf der Mönchsleite an den von Nauendorf auf Kauern veräußerte. Altpforten S.4)
II. Wo hat das Vorwerk Queissen gestanden? Am Pohlteich [Pfuhlteich], der sich unterhalb Kauern am Ronneburger Fahrwege befindet, von dem sich hinter dem Teiche der Weg nach der Talmühle abzweigt. Noch heute sieht man, wann der Teich geschlämmt oder vor dem Fischfang abgelassen wird, Mauerwerk und Holzreste aus dem Teichschlamm hervorragen. Ich hatte H. v. Hanstein, den Neffen des H. Reichardt, gebeten, mir mitzuteilen, wann das Ablassen des Teiches im bevorstehenden Herbst beendet sein würde, habe aber keine Benachrichtigung erhalten. Lehrer Kretzsch-Seifartsdorf, der von Kauern stammt und schon einmal eine Besichtigung der Vorwerksreste vorgenommen hat, erklärte mir, daß er zu gegebener Zeit genaue Messungen vornehmen wolle. Von ihm bez. vom Herrn v. Hanstein könnten Sie ev. näheres erfahren (der alte H. Reichardt hat kein Interesse an allen Forschungen alter Zeit). Die Umgebung des Pohlteiches ist sumpfig, Quellgebiet, und es ist unmöglich, daß sich dort ein Vorwerk mit Wohnung befunden hat. Als man in sehr alter Zeit dieses "Vorwerk" errichtete, befand sich doch kein Wasser daselbst, es stand doch am Rande. Mit der Zeit- nehme ich an- wurde der Weg dort (nach Ronneburg) unpassierbar, und man schüttete den Weg hoch auf, während man den Bach (in Röhren?) darunter nach dem Talmühlen "Teich" leitete. So staute sich das Wasser, die Bauwerke wurde vom Wasser erwischt und verfaulten im Fundament. Diese meine Annahme kann ich nicht durch urkundliches Material Stützen. Aber in der Mitte des 16. Jahrhunderts war dieses Vorwerk noch im Betrieb. Zu welchem Zwecke ist es errichtet worden? War es ein Schafstall, ein Geräteschuppen, eine Feldscheune, ein Notstall für Fröner...vieh? Ich weiß es nicht.

Nun ist Kauern in alter Zeit geteilt gewesen.
Die Besitzer waren, vom ganzen Kauern:
1445 Jan von Rudenitz. Kauern ist schriftsässig. 1465 Georg (Jürg und Hans v. Rudenitz belehnt. 1. Lehnbrief. (Vgl. auch Hosp? beatae virg. Gera)Georg + 1479 1488 wird Karl von Friesen mit K. belehnt.(Ohne die Obergerichte). Karl v. Fr. hat 2 Söhne:Bernhard und Stephan. Kauern wird geteilt in Ober und Unter Kauern= Bernhard erh. Queissen 1529, Bernh. ist Herr zu Waltersdorf Stephan erhält Queissen, Oberkauern m.d. Herrensitz. Beide Brüder erhalten erhalten 1555 die Obergerichte durch v. Wildenfels zu Ronneburg für 245 fl. Stephan hat 2 Söhne Karl und Stephan. Bernhards Sohn Hans Dietrich von Friesen verkauft 1574 Queissen an seine beiden Vettern Karl und Stephan. So ist Kauern seit 1574 wieder vereinigt. 1575 werden beide Brüder Karl und Stephan v. H. v. Wildenfels belehnt. S. 2. Lehnbrief Nun liegt die Vermutung nahe, daß das schöne, 225 ha große Rittergut (mit nur wenig Wald) bei seiner Teilung 1529 in Ober- und Unter Kauern Queißen dies Vorwerk errichtet habe. (Bernhard v. Friesen war ja in Waltersdorf ansässig, wohl kaum unser reußisches W., welches damals noch Cronschwitz gehörte. Diese Vermutung trifft aber nicht zu, denn Queißen war schon zu den Zeiten der Rudenitze ein Kauersches Vorwerk. Nach dem alten Lehnbrief v. 1465 belehnen Ernst, des H. Rö. R. Erzmarschall, Kurfürst, und Albrecht, Gebrüder, die lieben Getreuen Jürgen und Hansen v. Rudenitz ... mit Namen Kauern; den Hof, Dorf und Kretzschmar, das Vorwerk unter Kauern Queissen... Haselberg, Geössen, Hilbersdorf, Lützendorf, Lengefeld .... das Vorwerk war also schon im Betrieb. 1501 Kaufbr. über Haselbach, 1502 verkauft Joh. Töpfer zu Leubnitz Haselb. an Bernhard v. Friesen. 1503 Lehnbr. der Gebr. Friedrich & Johann, Herzöge zu Sachsen Bernhard v. Fri. erhält in Lehen: Vorwerk, Sitz u. Dorf Kauern... Erbkretzschmar,item das Vorwerk zu Queissen; es ist also noch im Betrieb, ebenso 1529 u. 1555. Dann, nach der Wiedervereinigung der beiden Teile, 1574/75, vielleicht schon etwas früher ist das Vorwerk Queißen verfallen; es wird 1575 als das alte Vorwerk bezeichnet.
Ich bringe diesen Lehnbrief etwas ausführlicher:
Ronneburg, Sonnabend nach Exaudi, 20.5.1575. Wir Quarck? Friedrich, H. zu Wildenfelß, ...thun kund, daß wir ... Caroln u. Steffan von Friesen, gebrüder zu Kauern... geliehen haben: Nemlich das forbergk, Sitz u. gantz Dorff Kauern mit allen mennern... u. den zweyen Erbkretzschmarr, darauffen itzt Paul Tuchtler (Tüchtler) [heute Gerstner] wonet, der ihnen aber die andern gewnlchen erbzinsen u. ...tung noch insonderheit jerlich ein groß Vaß Zwickisch oder Werdisch bier in ihr Haus zinset und verschaffet [der andere Erbkretscham wohl in Hilbersdorf, Kretschmar Nickel gölticher 1575], Mehr zu Kauern Eim Freyn Erbschefferey, als denn auch das alte forbergk unter Kaueren gelegen, Queysen genant, Item das gantze dorff Qeussen... mit der Mühle... Christoph Schöne (ist Gessenmüller), Haselbach 13 unterthanen... (folgen ihre Namen) item zu Hilbersdorf mannen (Namen) zu Lengefeld 12 Scheffel Zollhafer u. ... Bald nach 1575 sind auch Löhma bei Schleiz u. 3 Güter in Langenwolschendorf. Im Kauernschen-sehr genauen-Erbzinsregister von 1587 sind die Löhmaer u. teilw. Langenwolfsdorfer Zensiten namentlich angefühet. Vermutlich hat der v.Friesen da mals auch Bauern aus Kauern u. der Ronneburger Gegend daselbst angesetzt, denn die Namen Roneberger..Romberger, wie auch Zschiegner, Herold, Enke, König u.a. sind die von alten Kauernschen Geschlechtern. Die 3 Güter in Langenwolfsdf: Liebollt, Franke, Lautenschläger sind früher 1 Gut gewesen, das jährl. 1 Stück graues Tuch hat zinsen müssen, nunmehr jeder 1/3 Tuch, oder zusammen 3 fl Zins. "Die Unterthanen beyder Dörffer sind auch schuldig, ihren Zinß jeden Termin jelichen durch ihrer zw.. heruntervnacher Kauern zu bringen, welches sie einhelligk also zu tun verwilliget."
Als Ergebnis über Queissen wärn festzustellen.
Die Zeit der Begründung dieses Vorwerks ist nicht festzustellen, es ist jedenfalls sehr alt, vielleicht mit dem Dorfe Kauern gleichzeitig entstanden. Auch ist nicht zu erkennen, welchen Zweck es gedient hat. Die Lage auf sumpfigem Boden macht es höchst unwahrscheinlich, daß eine Wohnung sich darin befand. Ein schwer beladener Wagen hat kaum darin eingefahren werden können. Mit der Wiedervereinigung der beiden Rittergutshälften 1575 ist das damals sicher schon "wa..lbare?" Vorwerk vollends zerfallen und eingegangen. Die zu Queißen gehörigen Grundstücke sind genau bezeichnet und von ebenso genau bezeichneten Frönern, die nicht aus dem Dorfe Kauern stammen, bestellt worden. Durch diese Queißen Grundstücke hat sich der Name erhalten. In der Versammlung zu Kauern konnte ich auch über die Kost, ins besondern für die Fröner und das Gesinde einen genauen Einblick verschaffen (Wochen Speisezettel-ohne Kartoffeln) Die alte Dorf Ordnung von Gessen befindet sich auch bei den Akten. Über etliche andere Kapitel hätte ich auch gern Mitteilung gemacht, aber ich wollte Sie, da Sie ja immer mehr als überarbeitet sind, nicht noch weiter bemühen.

Quelle: Stadtarchiv Gera, MS 1480

© 2004 Werner Roth

Unterschrift von Bruno Geweniger