Dokumente im Turmknopf der Kirche zu Thränitz

Thränitzer Kirche vor Abrissplänen gerettet

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Gera-Thränitz (OTZ vom 26.4.2004) Jetzt ist die Kirche in Thränitz wieder komplett: Am Sonnabend wurde der vergoldete Turmknopf samt Wetterfahne auf die Turmspitze des alten Gotteshauses gesetzt. Gefüllt mit einer aktuellen Tageszeitung und all jenen Dokumenten, die bei der Öffnung ans Tageslicht gekommen waren; Zeitzeugnisse aus den Jahren 1869, 1909 und 1951. Damit fand eine vier Jahre dauernde Sanierung der Kirche ihren Abschluss, die mit ihrem weißen Gemäuer jetzt weithin ins Land zu sehen ist.
Dabei hatte es noch vor wenigen Jahren ganz so ausgesehen, als sollte der Kirchenbau aus dem Jahre 1238 dem Erdboden gleichgemacht werden. Ortsbürgermeister und auch Ortschaftsrat hatten sich für den Abriss des maroden Gemäuers ausgesprochen. Der Bau sei nicht mehr zu retten, hieß es damals. Ein Urteil, das die Kirchgemeinde und viele Thränitzer nicht hinnehmen wollten. Und der Beginn eines wahren Kraftaktes.
"Die Kirche ist ein Kulturdenkmal, das unsere Vorfahren vor 800 Jahren mit wenigen Mitteln errichtet haben. Das sollen wir jetzt, wo wir so reich sind, nicht schaffen zu erhalten?" Kirchenvorstand Manfred Braune ist die Empörung über die Abrisspläne noch heute anzumerken. Und er blieb mit seiner Meinung nicht allein. 37.000 Euro brachte die Kirchgemeinde aus Spenden auf. "An der Rettung haben sich auch Menschen beteiligt, die nicht der Kirche angehören", betont Pfarrer Werner Vollbrecht. Weil die Kirche nun mal der Mittelpunkt des Dorfes ist. Seit viel im dörflichen Leben weggebrochen ist, heute mehr denn je.
Eine Spende sei so hoch gewesen, dass sie meinte, der Gönner habe sich in der Kommastelle geirrt, erinnert sich lachend Gerlinde Braune. Handwerker brachten einen Teil der Leistungen unentgeltlich ein. Mit Mitteln des Kreiskirchenamtes, des Arbeitsamtes und des Landes Thüringen von insgesamt über 95.000 Euro konnte am Ende weit mehr gemacht werden, als man ursprünglich zu hoffen gewagt hatte. Vom Fußboden bis zum Dach wurde das Gotteshaus unter der Begleitung des Denkmalschutzes saniert. Da können nun auch die Buga-Gäste kommen, sagt Braune.
Am 2. Mai wird der Abschluss der Sanierung mit einem Festgottesdienst und einer großen Kaffeetafel gefeiert. Eitel Sonnenschein herrscht deswegen im Dorf noch nicht, der Ortschaftsrat, ahnt man, wird nicht kommen.
Altar in der Kirche Thränitz Im Innern der sanierten Thränitzer Kirche zeigen den vergoldeten Turmknopf samt Wetterfahne nicht ohne Stolz:
Kirchenvorstand Manfred Braune, Pfarrer Werner Vollbrecht, Gerlinde Braune und Werner Roth. (von links)